Liebe Leserinnen und Leser,
die Monatslosung für September ist zugleich das Motto für das diesjährige ACK-Friedensgebet. Im Vorbereitungskreis fanden wir den Vers so aufschlussreich für die vielen Fragen und Krisen unserer Zeit, dass wir uns entschlossen, den Erfahrungswerten alttestamentlicher Weisheit tiefer nachzuspüren. Wo Menschen eine „Hand voll mit Ruhe“ finden, wird unterschiedlich definiert. Uns fiel der gestresste Manager ein, der Ruhe in paar Tagen Klosteraufenthalt sucht; wir dachten an die wunderbaren Texte unserer Kirchenmütter und -väter, die vielfach versuchten, menschliche Hektik zu fokussieren und die Unruhigen wieder auf den Teppich zu bringen. Ständiges Mehr-Wollen trägt viel Ruin in sich, weil Mehr-Wollen nicht unbedingt ein „Mehr“ an Reife und innerem Wachstum ist. Das Gegenteil von Mehr-Wollen sind aber nicht Verzicht oder Selbstkasteiung. Das Eigentliche wollen, wäre echter Fortschritt. Das regelrechte „Trachten nach Wind“, wie es der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber in seiner Übersetzung betont, scheint unwiderstehlich: man könnte ja was verpassen; man könnte die Trends der Zeit nicht erkannt haben. Jesus beruhigt diese angestrengte „Mühe“ und erzählt uns Wachstumsgleichnisse. Wir sollen uns genau betrachten, was an Gutem bereits in uns angelegt ist; nach seinem Verständnis ist unsere Aufgabe nicht Mehr-Sein, sondern Echtsein.
Eine segensreichen Spätsommer wünscht Ihnen
Pfarrerin Martina Abel
