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Neuer Pfarrer auf dem Bännjerrück

|  Versöhnungskirche

Eckart Stief beginnt ab 1. Oktober als Pfarrer für die Versöhnungskirche auf dem Bännjerrück. Der "Bännjerrückbote" hat in seiner 49. Ausgabe ein ausführliches Interview mit dem Theologen geführt.

 

Die Weichen für die Zukunft müssen jetzt gestellt werden

Der neue Gemeindepfarrer der Versöhnungskirche, Eckart Stief, im Interview

BÄNNJERRÜCKBOTE: Herr Stief, sie sind der künftige Pfarrer der Versöhnungskirche. Ab wann sind Sie denn in Amt und Würden?

Stief: Der offiziell erste Arbeitstag ist der 1. Oktober, das heißt, der erste Gottesdienst im Oktober wird mein Vorstellungsgottesdienst sein. Ich führe unser Gespräch hier also gerade im Urlaub, genauer gesagt: im Renovierungsurlaub. Wir ziehen gerade um, und zwar nach Hohenecken. Ich werde nicht in das Pfarrhaus hier einziehen, sondern die Gemeinde von Hohenecken aus betreuen. Das ist aber kein Weg, insofern wird das eine ganz engmaschige, persönliche Betreuung sein, wie man sie sich von einem Gemeindepfarrer auch wünscht. Ab 1. Oktober bin ich dann tatsächlich hier und bin gespannt, wie sich alles entwickelt. Gerne möchte ich mich in den nächsten Monaten den Menschen hier bekannt machen – und der beste Weg dafür, abgesehen von den Gottesdiensten, ist das Gespräch. Die Leute müssen erfahren, dass ich erreichbar bin, für alle Fälle, die eintreten können und alles, was anfällt. Das ist natürlich der Gottesdienst, das sind alle Kasualien, Beerdigungen, Taufen, vielleicht auch mal Hochzeiten. Und natürlich bin ich dann auch für Konfirmanden, für Senioren und überhaupt alle Menschen da. Und natürlich

agiere ich in Abstimmung mit dem Kirchenvorstand, der gewählt wurde, und jetzt auch wieder gewählt werden muss. Zum ersten Advent stehen nämlich auch in unserer Gemeinde wichtige Wahlen an, ein neuer Kirchenvorstand muss gebildet werden. Da habe ich jetzt natürlich noch wenig Einfluss, weil ich hier noch nicht vernetzt bin. Unter anderen Umständen würde ich jetzt Menschen motivieren, sich zu engagieren. Die Kirchenwahl ist ein wichtiges Thema, ohne Kirchenvorstand geht es nicht. Denn in der evangelischen Kirche bestimmt nicht der Pfarrer alleine, sondern wir entscheiden im Team. Ich habe jetzt in meiner Urlaubszeit den derzeitigen Kirchenvorstand bereits besucht, und den Eindruck gewonnen, dass da wirklich fitte Leute tätig sind,

denen ich höchsten Respekt zolle.

BÄNNJERRÜCKBOTE: Sie haben sich überreden lassen, noch zweieinhalb Jahre auf Ihren wohlverdienten Ruhestand zu warten und hier auf dem Bännjerrück

als Gemeindepfarrer tätig zu sein …

Stief: Ja, man hat mir gesagt, dass ich solange verlängern könnte – das wäre bis Anfang 2023. Für mich war klar: Wenn die Leute mich hier haben wollen, dann kann ich mir das vorstellen. Es sind im Wesentlichen drei Gründe, die mich bewegt haben. Zum einen, weil ich merke, dass hier eine Gemeinde ist, die eine pastorale Versorgung braucht. Man braucht hier einen  Ansprechpartner, der sich in das bürgerliche Leben auf dem Bännjerrück einbringen kann. Kirche sollte auch hier präsent sein. Es ist ein toller Stadtteil, da kann sich die Kirche nicht einfach zurückziehen. Da braucht es einen Ansprechpartner, der immer da ist, es braucht eine Kontinuität, und nicht nur einen Pfarrer, der sonntags die Gottesdienstvertretung macht, wie das

jetzt über ein Jahr der Fall war. Das ist kein guter Zustand. Für die Gemeinde ist es wichtig, dass die Kirche reagiert. Ein weiterer Punkt ist, dass ich es auch ganz persönlich als eine pastorale und theologische Herausforderung betrachte, jetzt, nach meiner Zeit als Studierenden- und Hochschulpfarrer, noch einmal als Gemeindepfarrer zu wirken. Hier in der Gemeinde all meine Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe, einzubringen. Diese pastorale und theologische Herausforderung nehme ich sehr gerne an. Nicht jeder bekommt die Chance, das am Ende einer langen Dienstzeit noch einmal so machen zu können. Der dritte Punkt ist, dass ich noch eine relativ junge Familie habe. Mein jüngster Sohn, Leonardo, ist erst acht Jahre alt, ein kleiner Nachzügler. Und wenn man eine junge Familie hat, bleibt man auch ein bisschen jung. Und da ist es doch schön, wenn man sich noch einbringen kann. Für den Ruhestand ist es für mich jetzt einfach noch zu früh, und ich freue mich deshalb sehr, dass ich gefragt worden bin, als Gemeindepfarrer auf den Bännjerrück zu kommen.

BÄNNJERRÜCKBOTE: Darf man Ihre Dienstzeitverlängerung auch so verstehen, dass Sie einen großen Spaß an Ihrer Arbeit haben?

Stief (lacht): Also – der Pfarrerberuf, das ist ein toller Beruf. Ein echtes Privileg. Natürlich weiß ich, dass man das anders sehen kann, dass man ihn vielleicht auch als Belastung empfinden kann. Aber wenn ich alle meine Stationen Revue passieren lasse, dann war das ein ganz tolles Berufsleben mit unheimlich schönen Erfahrungen, unheimlich guten Begegnungen, die mich auch geprägt haben. Das macht wirklich Spaß. Ich bin gerne Pfarrer und werde auch Pfarrer bleiben. Das ist ja klar.

BÄNNJERRÜCKBOTE: Wie haben Sie Ihre Berufswahl getroffen?

Stief: Eigentlich wollte ich Lehrer werden. Deshalb bin ich auch nach Lauterecken ans Gymnasium gegangen. Ich unterrichtete Religion, aber auch andere Fächer wie Sozialkunde und Ethik. Dann habe ich aber gemerkt, dass die Kirche doch einen Raum bietet, wo ich mich entfalten kann. Ich habe einen Ruf angenommen ins Landesjugendpfarramt in Kaiserslautern, habe da tolle Projekte auch mit vielen Ehrenamtlichen umsetzen können. Und das war letzten Endes auch der Einstieg in das neue Arbeitsumfeld und von da aus bin ich dann auch in die Gemeinde gegangen. Das ist aber nicht der klassische Weg. Normalerweise geht man nach der Ausbildung in die Gemeinde und orientiert und sucht sich dann alternative Arbeitsfelder. Ich habe erst ein paar Umwege machen müssen, um dann die Gemeinde zu entdecken. Ich war dann im Grübentälchen, im Osten der Stadt. Später kam dann die Gelegenheit, mich an der Universität zu  bewerben – und das passte dann auch wieder ganz gut mit all den Stationen, die ich vorher gemacht habe. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen, begleite Menschen. Ich bin – hoffentlich – Seelsorger und auch ein guter Zuhörer.

BÄNNJERRÜCKBOTE: Gibt es Schwerpunkte, die Sie setzen möchten? Auch wenn zweieinhalb Jahre nicht allzu lang sind?

Stief: Hier könnte ich zuerst den Kontakt mit Menschen nennen. Den Kontakt zu Senioren, zu älteren Menschen. Aber auch zu den Konfirmanden, dem Presbyterium… Aber was für diesen Stadtteil wichtig ist: Kirche verändert sich im Moment rasant. Wir müssen zusammenrücken. Wir müssen sparen, und ich möchte hier nach zweieinhalb Jahren nicht weg gehen und wieder ein Loch entstehen lassen. Ich möchte nicht, dass man sagt: Das waren schöne zweieinhalb Jahre, aber was jetzt? Da müssen jetzt Weichen gestellt werden, damit in zweieinhalb Jahren klar ist, wie es weitergeht. Das muss man aber im Team machen. Mit allen, die Verantwortung tragen. Diese Zeit muss mit dem Kirchenvorstand und den Verantwortlichen in der Landeskirche zur

Überlegung genutzt werden, wie wir die Kirche für die Zukunft, für die nächsten zehn oder zwanzig Jahre, gestalten. Das betrifft auch die Kooperation mit anderen, vielleicht auch Fusionen, da muss man tragfähige Konzepte entwickeln. Das betrifft auch die Finanzierung. Und auch die ökumenische Zusammenarbeit, auf die ich großen Wert lege. Wir haben zusammen einen Auftrag, da ist es eigentlich sekundär, ob man evangelisch oder katholisch ist. Es würde mir sehr am Herzen liegen, die Ökumene hier voranzubringen. Das alles muss bereits jetzt bedacht und geplant werden.

BÄNNJERRÜCKBOTE: Wenn man von Gemeindebau spricht, muss man vielleicht auch an das Kirchengebäude denken. Der Ihr Vorvorgänger, Pfarrer Frank Schuster, hat einmal gegenüber dem BÄNNJERRÜCKBOTEN gesagt, dass der künftige Pfarrer dieser Gemeinde sich ganz wesentlich auch mit der baulichen Situation der Versöhnungskirche befassen muss.

Stief: Es stehen ganz klar Entscheidungen an. Sicher ist, dass dieses Kirchengebäude bestehen bleiben wird. Es wird sicher nicht abgerissen. Allerdings wird zu besprechen sein, in welcher Form dieses Gebäude genutzt wird. Die Frage ist, was mit dem Pfarrhaus und mit dem Kindergarten geschieht. Das ist eine Entscheidung, die maßgeblich auch mit dem Presbyterium zu klären ist. Das Kirchengebäude wird hoffentlich multifunktional, hoffentlich auch sehr ökumenisch genutzt werden und für alle Gruppen offen sein, die Raum und vielleicht auch Zuspruch suchen. Es soll ein Ort sein, an dem sonntags der Gottesdienst und über die Woche eine vielfältige andere Nutzung stattfinden kann. Dass die Heizung marode ist und da langfristig etwas anderes reinkommen muss, das steht außer Frage. Da muss eine Entscheidung her. Allerdings: Wenn man diese Entscheidung getroffen hat, dann muss man sie auch tatsächlich zeitnah umsetzen.

Dass man Dinge auf die lange Bank schiebt, das geht nicht.

BÄNNEJERRÜCKBOTE: Sie können sich eine offene Kirche vorstellen?

Stief: Eine Kirche, die nicht offen ist, hat keine Chance. Kirche muss offen sein, für alle Menschen, für Junge und Alte gleichermaßen. Ob man nun kommt, weil man dort Ruhe findet, gute Gedanken und Impulse oder gute Musik… Die Kirche muss das organisieren, aber das kriegen wir auch hin, dafür haben wir doch die Erfahrung.

BÄNNJERRÜCKBOTE: Hat das Ehrenamt für Sie eine besondere Bedeutung?

Stief: Absolut! Kirche lebt durch die Mitarbeit von ganz vielen Menschen! Das beginnt mit dem Presbyterium, bei dem ich hoffe, dass wir für die anstehende Wahl auch genug engagierte Kandidaten finden. Ich weiß, dass das durch die lange Vakanz besonders schwierige Bedingungen dafür sind, Menschen zu motivieren. Man muss den Menschen zeigen, dass man hier wirklich etwas bewirken kann. Wenn alle Menschen mitmachen würden – die ganz Gläubigen, aber auch die, die einfach für andere da sein wollen ... Man muss sie alle ins Boot holen und zeigen, wie viel Gemeinsames uns verbindet. Wir wollen hier das Leben gestalten. Deshalb ist das Ehrenamt in allen Bereichen so wichtig. Frauen-, Kinder- und Familienarbeit, der Kindergottesdienst…

Das Gemeindeleben ist getragen vom Ehrenamt. Der Pfarrer ist Koordinator, Motivator und ein bisschen auch Manager. Man muss schauen, dass die Dinge laufen. Da muss einer hinterher

sein. Aber eben immer im Sinne von Motivation.

BÄNNJERRÜCKBOTE: Gibt es etwas, das Sie als große Herausforderung sehen?

Stief: Ja, das ist die Frage, wie es danach weitergeht. Die zweieinhalb Jahre zu gestalten, die Menschen zu begleiten – auch seelsorgerlich – das alles wird wunderbar. Aber die Perspektive für die Zukunft zu schaffen, diesen Anspruch haben die Menschen hier. Hier ein klares Konzept in der kurzen Zeit zu erarbeiten, das wird eine Herausforderung und das halte ich aber eben auch für sehr wichtig.

BÄNNJERRÜCKBOTE: Ist für Sie ersichtlich, warum eine so lange Vakanz entstanden ist?

Stief: Diese Frage hat mich in der Tat bereits beschäftigt. Es ist ein tolles Wohngebiet, es ist eine Stadtgemeinde, in der man nicht fünf oder sechs Dörfer gleichzeitig betreuen muss, das ist doch eigentlich sehr schön. Die Menschen sind sehr nett. Vielleicht liegt es tatsächlich an der Frage der Nutzung der Kirche, der alten Heizung, der Kindergartenproblematik. Vielleicht hat das abschreckend gewirkt. Aber das sind Fragen, zu denen doch Lösungen gefunden werden können. Nein, im Augenblick kann ich diese Frage noch nicht beantworten.  (lacht) Vielleicht entdecke ich ja noch etwas?

BÄNNJERRÜCKBOTE: Herr Stief, wir bedanken uns für dieses Interview und wünschen Ihnen für Ihre Zeit auf dem Bännjerrück alles Gute!

 

 

Text und Bild: Bännjerrückbote, Ausgabe 49, September 2020, Seite 17-19

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